Im Norden Argentiniens: Iguazú und Roadtrip von Salta nach Mendoza

Iguazu und Roadtrip durch die Anden nach Mendoza
Iguazu und Roadtrip durch die Anden nach Mendoza

Iguazú im Regenwald

Kaum in Argentinien angekommen, wechseln wir auch schon die Klimazone und tauschen Pullover gegen T-Shirt. Von Buenos Aires aus erreichen wir in knapp zwei Flugstunden Puerto Iguazú im Regenwald. Und ich sage es dir gleich: Da musst du irgendwann einmal hin. Unbedingt. Wir verbringen zwei Nächte in der La Cantera Jungle Lodge, damit wir einen Tag lang wirklich von morgens früh bis abends spät die Iguazú Wasserfälle erkunden können. Und zwar ausschliesslich auf der argentinischen Seite; zu Fuss und per Boot.

Ganz nahe am Wasserfall

Zum Glück sind wir nicht in der Hochsaison hier. Noch trampeln sich die Touristinnen und Touristen nicht auf den Füssen herum. Es gibt keinen Stau vor den besten Selfieplätzen. Alles ganz easy. In aller Ruhe wandern wir kilometerweit über Stege und auf Pfaden im Dschungel.  Ganz, ganz nahe kommen wir an die Wasserfälle heran und sehen sie aus verschiedenen Blickwinkeln. Fantastisch! Die Reisezeit September erweist sich auch punkto Temperatur als ideal. Es ist warm, aber nicht heiss.

Na gut, als wir nach der Bootsfahrt „mit Ducha“ in der Garganta del Diablo triefend nass an Land klettern, hätten wir es gerne ein paar Grad wärmer. So dauert es etwa drei Stunden, bis wir wieder trocken sind.

Flussfahrt auf dem Rio Iguazú

Am Ende des Tages besteigen wir noch einmal ein Gummiboot und lassen uns gemächlich den Rio Iguazú flussabwärts treiben. Die Flussfahrt ist wunderbar idyllisch. Wir versuchen, die Tiere zu entdecken, auf die uns der Guide aufmerksam macht. Aber ehrlich gesagt, verstehe ich oft gar nicht, von welchen Tieren er spricht. Immerhin, die Schildkröte auf dem Stein im Fluss sehe ich. Dass im Park Jaguare leben, die unser Guide selbst aber auch noch nie zu Gesicht bekommen hat, schnappe ich auf. Und dass eine Familie kürzlich bei ihrem Besuch im Park von Weitem einen Puma sah. Die Begegnung erschreckte das scheue Tier wahrscheinlich weit mehr als die Parkbesucher, die aber dennoch ein Riesentheater veranstalteten. Seither ist der Paseo ecológico aus Sicherheitsgründen für Fussgänger  gesperrt.

Salta, la Linda

Tag vier, wieder rein in den Flieger und raus aus dem Regenwald. Unser nächstes Ziel ist Salta, ein hübsches Kolonialstädchen im Nordwesen von Argentinien. Ganz besonders hübsch ist hier unser Hotel, das Kkala Boutique Hotel. Was sag ich – es ist fantastisch! Schau mal selbst:

Eingang Hotel Kkala

Auf knapp 4200 Meter über Meer

Salta liegt am Rande der Anden. Hier startet der berühmte Tren a las nubes, jedoch nicht zu der Zeit, als wir in Salta sind. Anstatt den Wolkenzug buchen wir deshalb ein Auto mit Fahrer. Er bringt uns ins Valle de los siete colores, in die Salzwüste Salinas Grandes, nach Purmamarca, Jujuy und in die Quebrada de Humahuaca. Unser Fahrer, und gleichzeitig Führer, weiss zu allem und jedem etwas zu erzählen. Allerdings – er konzentriert sich dann oft mehr aufs Sprechen als aufs Fahren. So kommt es vor, dass wir mit 20 Stundenkilometern und eingeschaltetem Warnblinker die Passstrasse hinaufzuckeln und dabei hin und wieder – in der Kurve! – auf die Gegenfahrbahn geraten.

Dennoch kommen wir auf der Passhöhe Cuesta de Lipán auf 4’170 Meter über Meer an. Die Luft ist dünn hier oben. Wir bewegen uns nur langsam, denn schnell geht uns die Puste aus und wir bekommen weiche Knie. Natürlich kaufen wir der alten Indianerin auch ein paar Caramelos de Coca ab gegen die Höhenkrankheit. Und aus Neugier.

Indianerin auf der Passhöhe Cuesta de Lipán
Coca y bica oder eben Caramelos de Coco sollen gegen die Höhenkrankheit helfen.

Difunta Correa

Auf der Fahrt durch das Gebirge und in der Wüste begegnen wir wilden Pferden, Eseln, Vikunjas, Guanakos und Lamas. Und immer wieder passieren wir kleine Schreine am Strassenrand mit vielen bunten Plastikflaschen und kleinen Figuren. Die Figuren stellen Difunta Correa und ihr Baby dar. Sie wird als Schutzheilige verehrt und vor allem von Lastwagenfahrern mit Wasser – manchmal auch mit Wein und Schnaps – sowie Wegzehrung versorgt. Das Ritual geht auf die Geschichte von María Antonia Deolinda y Correa zurück, die eines Tages, während des Bürgerkrieges im Jahr 1841, erfuhr, dass ihr Mann von spanischen Soldaten verschleppt worden war. Verzweifelt brach sie mit ihrem Neugeborenen auf, um ihn zu suchen. Sie verirrte sich in der Wüste und verdurstete. Gauchos fanden Tage später ihren Leichnam und das Baby. Es hatte an ihrer Brust dank der Muttermilch überlebt.

Difunta Correa
Das Wasser ist eine Opfergabe für Difunta Correa. Wer unterwegs eine Panne hat, darf damit aber auch seinen Durst löschen.

Roadtrip von Salta nach Mendoza

Schon bei der Planung unserer Reise bereitete uns der Trip von Salta nach Mendoza Kopfzerbrechen. Weshalb? Der Flughafen Mendoza ist von September bis Dezember 2016 geschlossen. Wir wollen aber unbedingt nach Mendoza. Also buchen wir wieder ein Auto. Diesmal fahren wir selbst. Knapp 1’500 Kilometer müssen wir in drei Tagen bewältigen, denn unseren Flug von San Luis nach Buenos Aires haben wir bereits gebucht. In der Autovermietung bezahlen wir viel Geld für einen Chevrolet, der klappert und zwar einen Radio hat, aber kaum Sender empfängt. Ich bin nervös, denn wir brechen bereits verspätet auf und haben doch sooo viele Reisekilometer vor uns. Also los jetzt! Der Verkehr ist zum Glück unproblematisch, die Strasse von Salta in Richtung Süden ist in Ordnung und die Landschaft, die wir durchqueren, ist spektakulär. Wir haben uns schon nach allen Seiten die Hälse verdreht, weil wir alle diese verrückten Gesteinsformationen in Rot und Braun sehen wollen. Da meint X.D. : „Jetzt kommt nichts mehr.“ Der Ausspruch wird zum Running Gag während der folgenden Tage. Denn jetzt geht es erst richtig los. Wir sind nur noch Ahhh! Ohhh! Wow! und können uns kaum satt sehen.

1500 Kilometer in 25 Stunden

Allerdings – wir kommen einfach nicht vorwärts. Der Blick  auf das Armaturenbrett nach zwei Stunden Fahrt zeigt: 100 Kilometer. Werden wir es rechtzeitig nach Mendoza, beziehungsweise nach San Luis auf unsern Flug schaffen? Wir übernachten in Cafayate, sehen aber leider nicht viel von diesem Weinstädtchen. Am nächsten Morgen fahren wir nämlich weiter, als das Städtchen noch schläft und nur die Hunde bellen. Die Fahrt geht weiter; anstrengend zwar, aber abwechslungsreich. Denn nach unendlich langen Geraden windet sich die Strasse plötzlich in engen Kurven über einen Hügelzug. Wir sehen, wie sich vor uns Windhosen bilden und wie sich eine Wolke den Berg hinaufwälzt, wir begegnen dem freundlichen Lama und den Kakteen, die seltsam mystisch im Nebel stehen. Die Strassen sind in unterschiedlich gutem Zustand. Und obwohl unser Chevrolet bei jedem Schlagloch scheppert, hält er durch. Am dritten Tag unseres Roadtrips, nach etwa 25 Stunden Fahrt und circa 1500 Strassenkilometern erreichen wir Mendoza. Erst einmal gönnen wir uns ein Glas Malbec. Was denn sonst.

Auf Weintour in Mendoza

Am nächsten Tag steigen wir aufs Fahrrad anstatt ins Auto. Cristián vom Fahrradverleih schickt uns mit einer Übersichtskarte und guten Ratschlägen auf die Ruta del Vino in Maipú.  Die hatten wir uns als idyllischen Weg durch die Reben vorgestellt. Tatsächlich strampeln wir jedoch auf der Hauptstrasse erst sechs Kilometer nüchtern in die eine Richtung. Nach dem Besuch in der Bodega Domiciano und nach je einem Glas Malbec, Syrah und  Cabernet Sauvignon radeln wir beschwingt wieder zehn Kilometer zurück in die andere Richtung, zur nächsten Bodega: Tempus Alba. Da gibt es wieder drei Gläser Rotwein und es ist erst drei Uhr nachmittags. Noch eine Bodega besuchen wir, die Viña el Cerno. Glücklicherweise ist sie nur einige hundert Meter entfernt. Ich mag nicht mehr Rad fahren. Eigentlich mag ich auch gar keinen Wein mehr trinken, doch Verónica führt uns in ihrer herzlichen und originellen Art – oder ist sie selbst schon etwas weinselig? – durch ihre Weinkeller. Am Ende sitzen wir wieder an einem Tisch, vor uns vier Weingläser. Ich kann beim besten Willen keinen Unterschied mehr feststellen zwischen Merlot, Syrah und Malbec.

Jetzt aber Vorsicht auf der Heimfahrt! Wieder strampeln wir etwa fünf Kilometer zurück zum Fahrradverleih. Nicht auf der ganzen Strecke gibt es einen abgetrennten Radweg und immer wieder brausen die Lastwagen in hohem Tempo ganz nahe an uns vorbei. Puh – kannst du dir vorstellen, wie erleichtert ich bin, als wir heil wieder in Mendoza aus dem Bus steigen?

Tags from the story
, ,
Written By
More from estdoss

Mantra

„Ich mache das jetzt und ich kann das!“ Ich bin mit Jamie...
Read More

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.