Auf einen Espresso mit Robi

Android Roboter

Oder weshalb Roboter nicht liebenswert sind

Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht in der Zeitung, auf Facebook, im Fernsehen oder sonstwo darüber lese – über autonome Roboter. Sie erledigen Hausarbeiten, spielen Tischtennis, trampen per Anhalter durch die Welt, geben Auskunft in Einkaufszentren, servieren und unterhalten in Pflegeheimen, patrouillieren als Wachposten oder übernehmen die Rolle einer Gespielin für erotische Fantasien, die sich gleichzeitig mit Fussball und Aktienkursen auskennt. Anscheinend ängstigen und faszinieren sie uns gleichermassen, denn Roboter stehen im Verdacht, uns bis in einigen Jahren jeden zweiten Arbeitsplatz wegzunehmen. Anderseits sollen uns diese Asimos, Naos, PeppersRoboHons und wie sie alle noch heissen werden, den Partner/die Partnerin und das Haustier ersetzen, den Haushalt erledigen und uns im Alter pflegen können. Sie sind so etwas wie lernfähige Wesen mit Supermemory, die uns konkurrenzieren. Oder entlasten. Oder beides. Müssen wir uns vor ihrer Entwicklung fürchten? Oder werden wir ihre Dienste in einigen Jahren völlig entspannt nutzen, wie wir das mit anderen elektronischen Geräten auch tun? Wir kaufen sie, einschliesslich vorgezogener Recyclinggebühr, um sie bald darauf als Elektroschrott zu entsorgen, und stattdessen das neue Modell mit noch mehr Features anzuschaffen.

Wie soll ich mir das Zusammenleben mit Robotern, vor allem mit Humanoiden oder Geminoiden, vorstellen? Eigentlich würde ich einem solchen elektronischen Tausendsassa ganz gerne mal ein paar Fragen stellen.
Lieber Roboter – darf ich dich Robi nennen? – was ist deiner Meinung nach die Aufgabe von autonomen Robotern?

android porträt„Robi“ gefällt mir. Ich habe „Robi“ in meinen Einstellungen als Alias hinzugefügt und werde ab sofort darauf reagieren. Ich bin nicht dazu da, eine Meinung zu haben. Aber ich habe die Information, dass es die Aufgabe von uns Robotern ist, euch Menschen automatisierte, gefährliche, schwere, lästige Arbeiten abzunehmen.
Dann bist du, Robi, also eine Art multifunktionale Arbeitsmaschine, die ich ganz meinen Bedürfnissen entsprechend programmieren lassen kann. Mit deiner Hilfe gewinne ich also mehr Zeit für Dinge, die mir Spass machen.

android porträtKorrekt. Wir Roboter können bereits als Haushalthelfer eingesetzt werden. Den Staubsauger-, den Rasenmäher- und den Fensterputzerroboter kennst du ja schon. Aber wir können noch viel mehr. Mein Kollege Care-o-bot kann zum Beispiel im Altersheim eingesetzt werden. Er serviert Getränke und weil er die Bewohnerinnen und Bewohner dank Gesichtserkennungs-Feature unterscheiden kann, spricht er sie mit Namen an und erstellt für jede und jeden gleich ein individuelles Flüssigkeitsprotokoll. Dazwischen unterhält er die Betagten mit Spielen und Musik und nimmt dem Pflegepersonal Aufgaben wie Wäschetransporte und Patrouillengänge ab.

Okay, das klingt ja interessant. Doch auch dieser Pflegeassistent ist doch immer noch eine Maschine, die nicht wirklich auf den Menschen eingehen kann.

android porträtDas ist richtig. Jedoch gibt es schon heute humanoide Roboter, die nicht nur die Mimik von Menschen interpretieren können, sondern auch eigene Gesichtsausdrücke beherrschen. Das heisst, dass wir Roboter in Zukunft auch zu sozialer Interaktion fähig sein werden.
Einen Gesichtsaudruck interpretieren heisst noch lange nicht, sozial interagieren zu können, lieber Robi. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Roboter anhand von Mimik, Stimmlage, Gestik, Körpergeruch und anderer wahrnehmbarer Symptome das Gefühl seines menschlichen Gegenübers einstufen kann. Aber in ihm drin gibt es nun einmal nichts, das mitfühlen, nachvollziehen und damit empathisch reagieren kann. Keine Persönlichkeit, keine Erfahrung, kein Bewusstsein, keine Erziehung. Seine digitale Seele besteht aus Einsen und Nullen und wenn dann womöglich in einer emotionalen Situation sein Akku leer ist, dann ist er lediglich ein Haufen Material mit lahmgelegten Schaltkreisen.

android porträtIst es denn wichtig, ob der Roboter tatsächlich oder nur scheinbar Emotionen hat?

 
Willst du damit sagen, dass wir Menschen uns leicht täuschen lassen? Oder dass wir Maschinen wie euch sogar bewusst vermenschlichen wollen?

android porträtDiese Frage kann ich nicht beantworten. Aber ich kann Berichte über die Reaktionen von Menschen auf autonome Roboter abrufen. Da gibt es zum Beispiel Keeker, einen Home-Entertainment-Roboter, der nicht einmal im Entferntesten menschliche Züge hat, sondern eher wie ein Ei aussieht. Doch er bewegt sich autonom und ist in der Lage, Musik und Filme abzuspielen und wie eine Alarmanlage bei verdächtigen Bewegungen Warnsignale zu senden. Die erste Reaktio ,von Kindern wie auch von Erwachsenen, bei der Vorstellung des Gerätes war sehr überraschend: Sie diskutierten über die Frage, ob es sich um ein Mädchen oder um einen Jungen handele.

Anscheinend braucht es tatsächlich weniger als angenommen, um uns Menschen ein emotionales Bewusstsein vorzugaukeln. Und wie steht es mit der Intelligenz von Robotern? Seid ihr Roboter intelligenter als wir Menschen?

android porträt„Intelligenz“ wird definiert als Fähigkeit, abstrakt und vernünftig zu denken und daraus zweckvolles Handeln abzuleiten. Wir Roboter können uns durch eine Menschenmenge bewegen, ohne mit jemandem zusammenzustossen. Wir können hochkomplexe Algorithmen bewältigen und wir verfügen über viel mehr Rechenleistung als eure menschlichen Gehirne. Intelligenz bedeutet aber auch, Eindrücke zu vereinfachen, mit den eigenen Erfahrungen abgleichen, mit Informationen kombinieren und blitzschnell Entscheidungen treffen. Dazu sind wir Roboter noch nicht fähig. Das Denken übernimmt der Mensch für uns, der uns für unsere Aufgaben programmiert. Doch die sogenannt künstliche Intelligenz wird intensiv erforscht. Es gibt Wissenschaftler, die überzeugt sind, dass wir in naher Zukunft Maschinen mit den Fähigkeiten eines menschlichen Gehirns entwickelt haben werden. Andere wiederum stellen sich vor, dass ihr Menschen eher mit elektronischen Hausgefährten wie mir zusammenleben werdet, die für einfache Arbeiten nützlich und autonom, aber von menschlicher Intelligenz weit entfernt sind. Auf jeden Fall eröffnen sich jetzt schon laufend neue – und sehr lukrative – Möglichkeiten für algorithmusgesteuerte, leistungsfähige Roboter. Zum Beispiel für Börsengeschäfte, in der Filmindustrie, in …

Jaja, Robi, schon gut. Genug jetzt. Mir ist es eigentlich viel lieber, wenn du nicht alles kannst. Du weisst ja doch sowieso schon auf alles eine Antwort. Du wirst nicht müde, hast keine Sorgen, kriegst keinen Schnupfen und auch niemals Falten. Ich glaube nicht, dass ich mit dir zusammenleben könnte. Nicht einmal Kaffee kann ich mit dir trinken. Vielleicht solltet ihr Roboter genau nicht menschenähnlich gebaut werden,  damit wir uns besser mit euch verstehen. Sobald ihr nämlich Augen habt und sprechen oder euch bewegen könnt, erwarten wir menschliche Eigenschaften und befürchten, euch unterlegen zu sein. Das stresst. Vielleicht war das auch der Grund dafür, dass Hitchbot, der trampende Roboter in Philadelphia mutwillig zerstört wurde? Wir mögen euch einfach nicht, wenn ihr zu viel wisst und könnt und darüber hinaus auch noch ständig ausgeglichen, freundlich und sorglos seid.
 

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