Buenos Aires – Tango und Street Art

Tango und Street Art in Buenos Aires
Tango und Street Art in Buenos Aires

Schon vor zwei Jahren planten wir eine Reise nach Buenos Aires. Damals klappte es dann leider doch nicht.

Vor ein paar Monaten entschlossen wir uns nun schliesslich spontan zu einem zweiwöchigen Trip ins Land der Gauchos, des Tango und des Dulce de Leche. Einfach deshalb, weil uns C.D. eines Tages fragte, ob wir sie ein Stück weit auf ihrer viermonatigen Südamerikareise begleiten möchten. „Ja“ entschieden wir sofort. Fünf Monate später sind wir nach der Landung auf dem Flughafen Ezeiza frühmorgens auf dem Weg in unser Hotel an der Avenida de Mayo.

Mit Martín auf der Walking Tour

Dass das Leben in Buenos Aires oft nicht einfach ist, erzählt uns Martín, unser Führer auf der Free Walking Tour, die wir gleich an unserem ersten Tag unternehmen. Wir treffen uns beim Congreso Nacional und schliessen uns der englischsprachigen Gruppe an. Während drei Stunden flitzen wir durch das Zentrum von Buenos Aires:  Palacio Barolo – Avenida De Mayo – Mural de Evita – Cabildo – Plaza de Mayo – Casa Rosada – Catedral – Calle Florida – Obelisco. Von Martín hören wir, dass die Bevölkerung Argentiniens aktuell mit vierzig Prozent Inflation, schwieriger Wirtschaftslage, Korruption und hoher Arbeitslosen- und Armutsrate zu kämpfen hat. Wir eilen weiter und erfahren unterwegs noch viel mehr. Dass die Universitäten in Argentinien zum grössten Teil staatlich und somit gebührenfrei für alle sind. Von den Abuelas de Plaza de Mayo. Hast du schon von ihnen gehört? Diese Grossmütter setzen sich dafür ein, dass Kinder, die während der Militärdiktatur 1975 -1980 zur Welt kamen und damals zur Zwangsadoption freigegeben wurden, ihre wahre Herkunft erfahren.

Architektur

Zudem erklärt er uns, wie die Argentinier früher Architekten aus Übersee beauftragten, um ihre Gebäude nach europäischem Vorbild zu bauen. Den Palacio Barolo beispielsweise errichtete der italienische Architekt Palanti im Auftrag von Unternehmer Luis Barolo streng nach den Grundsätzen von Dante Alighieris Göttlicher Komödie.

Der Palacio Barolo in der Avenida de Mayo 1370 in Buenos Aires
Der Palacio Barolo in der Avenida de Mayo 1370 in Buenos Aires

Martín erzählt auch vom Tango; wie er Ende des 19. Jahrhundert in Buenos Aires entstand und hier mittlerweile an circa 300! Milongas pro Woche getanzt wird. Wir hören, dass es in Buenos Aires nicht nur einen Schwarzmarkt gibt, sondern auch einen Blauen Markt für den illegalen, aber geduldeten Geldwechsel von argentinischen Pesos in Dólares blue.

Essen

Und natürlich verrät uns Martín auch, wo es die beste Parrilla der ganzen Stadt gibt. Allerdings versuche ich als Vegetarierin gar nicht erst, mir den Namen des Restaurants zu merken .

A propos Essen; in Argentinien isst man natürlich gerne, oft und viel Fleisch, aber ohne geht’s auch. Die Auswahl an fleischlosen Gerichten ist zwar klein, aber fast immer stehen auch Pizza und Pasta auf der Karte; und leckere Fischgerichte. Im Café La Poesía in San Telmo zum Beispiel.

Facturas
Facturas gibt es in hier in jeder Bäckerei. Die sind ja soo fein!

Mit Benjamin auf der Street Art Tour

Als erste spannende Info hören wir von Benjamin, Guide von Graffiti Mundo, dass die ersten Graffiti in Buenos Aires keine politischen Statements waren. Die Street Artists wollten mit ihren bunten Murals lediglich Farbe in den düsteren Alltag in Buenos Aires‘ Strassen bringen. Heute gilt Buenos Aires als eine der tolerantesten Städte für Street Art. Wenn der Hausbesitzer einverstanden ist, darf der Künstler die Fassade besprayen oder bepinseln. Oft beauftragen Hausbesitzer sogar Street Artists damit, ihre Häuser zu bemalen. Denn auch Vandalen respektieren die Werke und verkritzeln keine Häuser mit Murals. Auf der Tour sehen wir uns vor allem die Kunstwerke in Palmero an; von Stencils bis zu riesigen Murals auf Wohnblöcken befinden sich hier unzählige Werke. Auf Benjamins und Malatestas Anraten hin wagen wir anschliessend einen Abstecher auf eigene Faust nach la Boca und entdecken dort noch viel mehr Street Art. Unglaubliche Werke finden wir hier praktisch in jeder Strasse.  Wir können gar nicht mehr aufhören zu fotografieren. Ich muss dir einfach meine ganze Kollektion zeigen.

Scheinbar nur Kritzeleien an einer Hauswand, doch hier steckt eine Geschichte dahinter. An verschiedenen Wänden in Buenos Aires Palermo finden wir die Botschaften eines Vaters an seine Kinder Cata und Tomas. Er wünscht alles Gute zum Geburtstag oder sagt ihnen so, dass er sie liebt. Andere Väter würden ihre Kinder dabei umarmen. Für den Papá von Cata und Tomas ist das nicht möglich, weil er sich ihnen nicht nähern darf. Aus welchem Grund auch immer. Für ihn sind die Kritzeleien an der Hauswand die einzige Art, seinen Kindern Nachrichten zukommen zu lassen. Auf der Mauer einer Brücke soll auch eine Antwort von Cata an ihren Vater sein.

Endlich Tango

Mitunter deshalb sind wir ja hier: Tango. X.D. hat schon die App geladen, die man und frau in der Tangostadt unbedingt brauchen: Hoy Milonga. Die führt uns erst einmal ins la CategralIm Club treffen wir vor allem Touristen, die ihre ersten Tanzschritte wagen. Im Raum nebenan tanzen die Profis, das heisst, die jungen Tangueros und Tangueras, die einen sehr verspielten Tango zeigen. Viele Paare, denen ich an Milongas in der Schweiz beim Tanzen zusah, machten einen sehr ernsten, konzentrierten Eindruck. Den Tänzerinnen und Tänzern hier sieht man hingegen an, dass es ihnen richtig Spass macht. Mir gefällt dieser Tanzstil.

Tango tanzen von früh bis spät

In den folgenden Tagen ziehen wir bereits am Mittag unsere Tangoschuhe an und belegen in der Tanzschule dni Tango eine Lektion bei Mariana, eine Práctica mit Juan und Caroline, Gruppenstunden bei Juan und Lia sowie bei Gerónimo und Josefina. Und obwohl meine Füsse eigentlich schon bald überstrapaziert sind vom Tanzen in den hohen Schuhen, wagen wir uns abends noch in die Milonga im Club ZUM. Na ja, Club ist vielleicht die falsche Bezeichnung. Es ist vielmehr eine Mehrzweckhalle, die mit ein paar farbigen Lichtgirlanden herausgeputzt ist. Doch genau deshalb gefällt es uns hier. Wir werden herzlich empfangen von Leuten, die sich hier zum Tango-tanzen treffen; ohne Show und ohne übertriebenes Drumherum. In der Clase bringen uns Pablo und Marcela neue Schritte und Technik bei. Beim Üben dazwischen lerne ich jedoch mindestens nochmals so viel, weil ich ständig mit andern Partner tanze; jeder führt auf seine ganz eigene Art und ich finde es sehr oft sehr schwierig, zu folgen. Ich sagte eben, dass wir uns an die Milonga wagen. Na ja, das stimmt nicht ganz. Nach unser Clase beobachten wir die zwei weiteren Clases, die Fortgeschrittenen – bei einem Gläschen Malbec mit unseren neuen Bekannten aus der Anfängerklasse. Um in der anschliessenden Milonga mitzutanzen, fehlt uns dann aber doch der Mut. Wir schauen zu.

Milonga im Club ZUM
Milonga im Club ZUM

ZUM Tango_1

Meine Füsse schmerzen noch, als wir schon wieder zurück in der Schweiz sind. Zum Glück habe ich ein Paar neue Tangoschuhe im Gepäck. Bis zum nächsten Mal Tango in Buenos Aires bleibt mir also genug Zeit, sie einzutanzen.

Meine Top Five in Buenos Aires

doppelter Espresso im "las Violetas"
doppelter doppelter Espresso im „las Violetas“

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